Im Rahmen der Dekarbonisierung der Fahrzeugindustrie wird in Deutschland zunehmend auf die E-Mobilität gesetzt. Diese fahren mit Batterien – Batterien kennen wir schon seit 200 Jahren. Warum sind jedoch Qualifizierungen im Bereich der Batteriezellfertigung „Neuland“?

Um die Ziele des Europäischen Green Deals zu erreichen – Stichwort „Klimaneutralität“ –, sollen z. B. ab 2035 in der EU nur noch emissionsfreie Neuwagen zugelassen werden. Das bedeutet die Umstellung der Produktion auf Elektroautos. Und diese benötigen leistungsfähige Batteriesysteme. Die Nachfrage an Lithium-Ionen-Batterien wird sich verzehnfachen. Es muss daher die Batteriezellproduktion in der EU hochgefahren werden. Das wird von der EU gefördert, u.a. auch um die Abhängigkeit vom chinesischen Markt zu verringern.

Zugleich gibt aktuell (noch) keine Ausbildungsberufe für die Batteriezellfertigung, auch nicht für die Berufe in der Batterie-Wertschöpfungskette. In nur wenigen Ausbildungsverordnungen sind Batterie-Kompetenzen Ausbildungsinhalte. Das bedeutet, dass diese Kompetenzen den Beschäftigten über Weiterbildung vermittelt werden müssen. Insbesondere gilt das für die Kompetenzen, die über arbeitsschutzrechtliche Erfordernisse hinaus gehen. Deswegen hat die Bundesregierung ein Förderprogramm von Qualifizierungsmaßnahmen für die Batteriezellfertigung aufgelegt.

Das Projekt KombiH – Kompetenzaufbau für Batteriezellfertigung in der Hauptstadtregion – bietet ein sehr großes Potential für die Wertschöpfungskette im Bereich Batteriezellfertigung. Welche Ziele verfolgt das Projekt?

In der Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg ist ein Batterie-Cluster entstanden, der dynamisch wächst. Über 50 Unternehmen sind hier bereits im Batterie-Wertschöpfungskreislauf tätig. Und diese Unternehmen brauchen gut qualifizierte Fach- und Führungskräfte. Hier setzt das Projekt KOMBiH an und entwickelt Qualifizierungsangebote entlang der gesamten Batterie-Wertschöpfungskette. Gefördert wird das Projekt durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. Das Projekt läuft bis Ende 2027. Darüber hinaus gibt es fünf weitere regionale Qualifizierungsprojekte.

Die erste Qualifizierung entlang der Batterie-Wertschöpfungskette wird bei KombiH jetzt angeboten. Die Qualifizierung wurde mit Blick auf die Arbeitsfelder der Beschäftigten und vor dem Hintergrund der aktuellen Erkenntnisse aus der Batterie-Forschung entwickelt. Wie sind sie bei der Feststellung der Qualifizierungsbedarfe vorgegangen?

Wir sind in die Unternehmen gegangen und haben Interviews mit Betriebsrät:innen, Geschäftsführungen und Verantwortlichen in Personalabteilungen geführt. Uns ging es darum zu erfahren, was wird bereits an Qualifizierungen seitens der Unternehmen erbracht und wo bestehen Bedarfe. Des Weiteren analysierten wir die Stellenanzeigen der Unternehmen aus der Batteriebranche, um einen klareren Blick zu erhalten, welche Kompetenzen die Unternehmen bei den Fachkräften suchen.

Und wir haben die Qualifizierungslandschaft analysiert, um zu wissen, welche Qualifizierungen werden von Bildungsunternehmen bereits angeboten und wo bestehen Qualifizierungslücken im Batteriesektor.

Welche Kurse umfasst das Qualifizierungsangebot und für wen wurden die Qualifizierungen konzipiert? 

Anhand der Interviews, die wir mit den Unternehmen geführt haben, wurde deutlich, dass sich die Unternehmen Qualifizierungen zunächst zum Thema Batterie-Grundlagen wünschen, damit ihre Beschäftigten ihre Arbeit besser einordnen können.

Daher haben wir ein Modul Batterie-Basiswissen entwickelt, das sich an Beschäftigte mit gewerblich-technischer Ausbildung und/oder konkreten Tätigkeitsbezügen zu Batterien oder Batteriesystemen richtet. Das Modul besteht aus 6 Kursen und bildet alle wesentlichen Tätigkeitsfelder von Fachkräften in der Industrie entlang der Wertschöpfungskette Batteriezellfertigung ab.

Die einzelnen Kurse stellen in sich geschlossene Lerneinheiten dar und können unabhängig voneinander absolviert werden. Wer das gesamte Basis-Modul abschließt erhält ein Zertifikat.

Des Weiteren bieten wir Batterie-Spezialthemen in einer KOMBiH Power-Hour für Führungskräfte an, z. B. zur EU-Batterieverordnung oder aktuellen Forschungsergebnissen.

Ausblick: Vertiefende Qualifizierungen für die Fachkräfte werden wir im weiteren Projektverlauf entwickeln.

Herzlichen Dank für die Zeit und den tollen Einblick in die Qualifizierungsmöglichkeiten im Bereich der Batteriezellfertigung. Folgend sind Informationen zu weiterführender Literatur abgebildet:

Institut für Forschung, Training und Projekte (iftp)