Die Automobilindustrie befindet sich in einem tiefgreifenden Wandlungsprozess, der von der Gleichzeitigkeit ganz unterschiedlicher Einflussfaktoren bestimmt wird. Dabei wird von vier Mobilitätstrends gesprochen: Elektrifizierung, Vernetzung, Automatisierung sowie Mobilität als Dienstleistung (bspw. Car Sharing oder Ride Hailing). Diese Faktoren werden die Automobilwirtschaft beim Übergang in die Informationsökonomie grundlegend ändern und neu strukturieren. Um die damit einhergehenden neuen Qualifikations- und Kompetenzerfordernisse durch Re- und Up-Skilling der bestehenden Belegschaften zu adressieren, haben OEMs (Original Equipment Manufacturer) und große Zulieferer längst digitale Lernplattformen und auch Einheiten für die Entwicklung digitaler „Skills“ etabliert.

Kompetenzen für die Zukunft

Die Übergangsphase von alten zu neuen Technologien stellt den kompletten Sektor vor neue Herausforderungen. Beispielsweise sind in den Bereichen des vernetzten und automatisierten Fahrens sowie neuer Mobilitätskonzepte komplett neue Kompetenzen aufzubauen. Kenntnisse der Elektro- und Batterietechnik sowie der Künstlichen Intelligenz gewinnen sowohl für Entwicklung und Produktion als auch für Wartung und Reparatur an Stellenwert. Entsprechend müssen diese Kompetenzen in der Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter:innen geschult werden. Speziell die Fähigkeit, große Datenmengen zu analysieren, wird bei der Transformation entscheidend sein.

Um diese zusätzlichen digitalen Skills aufzubauen, stehen Unternehmen grundsätzlich zwei Optionen zur Verfügung: Die „Buy“-Option beinhaltet die Rekrutierung von fertig ausgebildeten Fachleuten für z. B. Softwareentwicklung. Die „Make“-Option zielt auf die Weiterqualifizierung bestehender Beschäftigter. Im Gegensatz zu Großunternehmen, respektive OEMs, haben KMU hingegen kaum Möglichkeiten, Fachkräfte mit Qualifikations­profilen anzuwerben, die die Transformation in den eigenen Betrieben unterstützen könnten; insbesondere, wenn sich ihr Unternehmenssitz in eher ländlichen Regionen befindet. Die Dynamik des Transformationsprozesses selbst, der Fachkräftemangel in der Automobilindustrie, und besonders nachgefragte Qualifikationsprofile – beispielsweise im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien – bedeuten somit für die Unternehmen, dass sie den neuen Anforderungen im Wesentlichen mit den bestehenden Belegschaften gerecht werden müssen.

Lernen im Prozess der Arbeit

Aus diesem Grund bieten Betriebe bereits heute Schulungen zu Hochvolttechnologien, zur Ladeinfrastruktur, zu erneuerbaren Energien, Energiemanagement und Stromspeicher sowie Vernetzung, Datenmanagement und Prozessprogrammierung an. Eine besondere Bedeutung haben in diesem Zusammenhang arbeitsbezogene Trainings sowie nicht-formales und informelles Lernen am Arbeitsplatz: Die Vorzüge liegen hierbei in der idealen Passung der vermittelten Fähigkeiten für den spezifischen Tätigkeitsbereich im jeweiligen Unternehmen, der Möglichkeit des „Learning by Doing“ und damit der Chance, das Erlernte sofort umzusetzen und zu erproben. Weitere Vorteile sind der niedrigschwellige Zugang und die Attraktivität dieses Lernformats für Arbeitnehmer:innen mit niedrigerem formalem Bildungsniveau durch das hohe Maß an praktischer Orientierung. Situative Qualifizierung und informelle Weiterbildung als „training on the job“ können somit dabei helfen, auf kurzfristige Neuerungen zu reagieren und das vorhandene Wissenskapital in den Betrieben mitzunehmen.

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Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb)

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